
Die Geschichte der Achenseeschiffahrt
Der Achensee liegt zwischen dem Rofangebirge im Osten, dem Karwendelgebirge im Westen und bedeckt einen beträchtlichen Teil des Achentales. Erste Besitzer des Achensees waren die Herren von Schlitters im Zillertal. Um das Jahr 1112 ging der See mitsamt dazugehörigem Besitz per Schenkung an das Benediktinerstift St. Georgenberg. Der zunehmende Warenverkehr und der Schwazer Bergbau führten im 15. Jhdt. zum Ausbau einer Straße am Ostufer. Schwere Güter wurden jedoch mit Plätten über den See transportiert, Getreide, Grubenholz und Holzkohle nach Süden, Salz, Wein und Bergwerkserzeugnisse nach Norden. Der Achensee war wegen seines Jagd- und Fischreichtums für die Landesherren immer von Interesse, wie für Kaiser Maximilian I. oder auch Erzherzog Ferdinand II., der prunkvolle Schiffe anfertigen ließ.
1887 - Am Anfang standen Weitsicht und Mut
Abt Pirmim Pockstaller war der erste bedeutende Förder des seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden und ständig ansteigenden Achenseetourismus. Er verfasste auch das erste Buch, das den Achensee als Erholungsgebiet beschreibt. Sein Nachfolger Prälat Albert Wildauer setzte diesen Weg konsequent fort. Mit einem Kredit in der Höhe von 23.500 Gulden* ließ er ein dampfbetriebenes Schiff anschaffen. Der Schraubendampfer wurde von der Linzer Schiffswerft der Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft, vormals Ignaz Mayer, Schiffmeister, Rohproduktenhändler und Schiffbauer, gebaut. Das neue Schiff wurde in Teilen per Bahn nach Jenbach geliefert, und von dort mittels Pferden nach Pertisau transportiert und zusammengebaut.
* 1 Gulden = fl (alte Währung) entsprachen 2 Kronen = kr (neue Währung ab 1892). Zum Vergleich, zwei Kronen kostete ein Einbettzimmer in Rainers Achenseehof für eine Nacht.
27. Juni 1887
An diesem Tag nahm die Dampfschifffahrt am Achensee ihren Betrieb auf. Im Rahmen einer feierlichen Zermonie und unter reger Anteilnahme der Bevölkerung segnete der Abt das schöne Schiff und gab ihm den Namen St. Josef. Erster Inhaber eines Kapitänspatentes war ebenfalls der rührige Abt Wildauer, das lässt den Schluss zu, dass ihn die Schifffahrt auch persönlich begeisterte.
Da es am Anfang naturgemäß keine Kapitäne und Maschinisten am Achensee gab, setzte man zunächst Schiffsführer der Hochseeschifffahrt ein. Bereits ein Jahr später erwarben die Herren Peter Gürtler und Heinrich Klingler das Kapitänspatent.
1889
Schon zwei Jahre nach Beginn der dampfbetriebenen Schifffahrt wurde den wachsenden Beförderungszahlen Rechnung getragen und ein neues, größeres Dampfschiff in Dienst gestellt. Das DS St. Benedikt wurde in Teilen mit der bereits neuerbauten Achenseebahn an den See transportiert und in Buchau fertiggestellt.
1892
Als Ergänzung zu den 2 Dampfern erwarb man von der Firma A. Kroi in Wien Brigittenau ein Schiff von 11 Metern Länge, die MS St. Georg. Nach einigen technischen Problemen mit dem Petroleummotor wurde eine Dampfmaschine eingebaut, wodurch sich aber die Stabilität wesentlich verschlechterte. Das Schiff ist zweimal gesunken, konnte jedoch unter erheblichem Aufwand wieder gehoben werden. 1917 wurde die Maschine ausgebaut und das Schiff im See versenkt.
1908 - MS St. Josef und MS St. Benedikt
Die beiden Schiffe konnten 320 Personen befördern. Zusammen legten die Schiffe im Jahr 1910 die bemerkenswerte Strecke von 19.225 km zurück. Das ständig ansteigende Passagieraufkommen konnte mit zwei Schiffen jedoch nicht mehr bewältigt werden. Diese Entwicklung machte die Anschaffung eines dritten Schiffes notwendig.
1911 - MS Stella Maris
Die Linzer Werft (Stabilimento Tecnico Triestino) baute ein neues Schiff, das für die Beförderung von 400 Personen ausgelegt und damit weit größer als das DS St. Josef und das DS St Benedikt ist. Das Schiff wurde in Buchau zusammengebaut und schließlich, nach einem ersten missglückten Versuch, am 19. Oktober zu Wasser gelassen. Das majestätische Schiff wurde auf den Namen MS Stella Maris* getauft und war das erste mit einem Dieselmotor betriebene Schiff auf einem österreichischen See. Der Zweitakt-Dieselmotor ist ein Prototyp für die U-Bootmotoren der MAN. Ihren Linienbetrieb nahm die MS Stella Maris am 27. Juli 1912 auf. Am 3. September 1913 lief sie bei Seespitz am Ufer auf. Ursache war ein gerissenes Steuerseil, das Schiff konnte mit Hilfe des Dampfers St. Benedikt wieder flott gemacht werden.
* Stella Maris ist die lateinische Bezeichnung für „Meerstern“ und ein schmückender Beiname für Maria, die Mutter Jesu. Unter diesem Namen ist sie die Schutzpatronin der Seeleute und symbolisiert den rettenden Stern, der dem Nautiker die Richtung weist.
1914
Der „große“ Krieg begann. Zunächst ging der Schiffsverkehr normal weiter, im weiteren Verlauf musste auch das Achental Versorgungsgüter bereitstellen, im Besonderen Heu. Deshalb mietete die Heeresverwaltung in den Monaten Oktober und November einen Dampfer, um das Heu auf Plätten über den See zu schleppen.
1919 - Der neue Besitzer des Achensees und der Schiffahrt
Nach dem ersten Weltkrieg erwarb die Stadt Innsbruck von den Benediktinern in Fiecht den Achensee sowie den Seehof, das Fürstenhaus und die Gaisalm. Zur gleichen Zeit wurde die MS Stella Maris in MS Stadt Innsbruck umbenannt. Sparen wurde in den Mangeljahren nach dem verlorenen Krieg zum Programm. So kamen die Schiffe aus Treibstoffmangel nur abwechselnd zum Einsatz. Um Kohle zu sparen, wurde auch Holz verfeuert und für die MS Stadt Innsbruck ein Rohölvorrat angelegt, der bei sparsamsten Verbrauch für drei Jahre ausreichen sollte. In den Herbstmonaten wurde das DS St. Josef zum Schleppen von Holzflößen eingesetzt.
1921
Ein schweres Unglück ereignete sich am Pfingstmontag. Unter dem Druck der anlegenden MS Stadt Innsbruck brach der Landungssteg in Seespitz zusammen. Von den vielen auf dem Steg befindlichen Personen, die daraufhin in den See stürzten, konnten 8 nur mehr tot geborgen werden.
1924 - Die Geburtsstunde der TIWAG
Die TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG wurde am 12. Juni 1924 von der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol und einem Bankenkonsortium gegründet, um das damals größte Speicherkraftwerk Österreichs (Achenseekraftwerk, Jenbach) zu errichten.
1925
1926
12.300 km legten die Schiffe in dieser Saison zurück, die Einnahmen des Unternehmens beliefen sich auf 152.533,10 Schilling*.
* 1924 wurde der Schilling als neue österreichische Währung eingeführt.
1927 - Ein Kraftwerk für Tirol
Das Achenseekraftwerk war das erste Großkraftwerk der TIWAG. Um das Wasser des Achensees energiewirtschaftlich nutzen zu können, wurde ein Triebwasserstollen von Seespitz zum Krafthaus Jenbach getrieben.
Für die Schiffe bedeutete das Absenken des Seespiegels im Winter, dass sie immer wieder neu fest gemacht werden mussten. Aber auch der Eisdruck war ein großes Problem und brachte die Schiffe immer wieder in Gefahr.
1933-38
Die Einführung der Tausend - Mark - Sperre * wirkte sich katastrophal auf den Fremdenverkehr aus. Dies hatte einen dramatischen Rückgang der Passagierzahlen zur Folge.
*Die Tausend-Mark-Sperre war eine Wirtschaftssanktion, die am 27. Mai 1933 von der deutschen Reichsregierung gegen Österreich verhängt worden war.
Deutsche Staatsbürger mussten fortan vor Antritt einer Reise nach Österreich eine Gebühr von 1.000 Reichsmark zahlen. Verglichen mit heutiger Kaufkraft (2011) entspräche diese Gebühr einem Betrag von etwa 3.900 €.
1937
Die Achenseeschiffahrt feierte ihr 50jähriges Jubiläum und Kapitän Klingler sein 50jähriges Dienstjubiläum. Er übergab die Betriebsleitung an seinen Sohn Heinrich Klingler jun.
1938
Vom Stausee Pernegg in der Steiermark wurde ein kleines Holzboot gekauft und als Aufsichtsboot „Nixe“ in Dienst gestellt.
1939-45
Während des zweiten Weltkriegs wurden die Schiffe verstärkt zu Wehrmachts- und KDF (Kraft durch Freude)-Transporten eingesetzt.
Von Bomben- und Kriegsschäden verschont, konnte die Achenseeschiffahrt bereits am 8. Juni 1945 wieder ihren Dienst aufnehmen. Das Motorboot „Nixe“ musste der französischen Besatzungsmacht zur Verfügung gestellt werden.
1951
Aus dem DS "St. Josef" wurde durch den Umbau von Dampf- auf Dieselbetrieb das "MS St. Josef". Dabei veränderte sich auch die Silhouette des Schiffes.
1954
1958
Mit dem Abwracken des DS St. Benedikt endete die Ära der Dampfschiffe auf dem Achensee. Anker und Schraube sind heute noch beim Kassahaus ausgestellt.
1959 - MS St. Benedikt
Das neue MS St. Benedikt trat seinen Dienst an. Das in der Werft Linz hergestellte Schiff wurde, wie schon ihre Vorgänger, in Teilen mit der Bahn nach Jenbach, und per Tieflaster über die Achenseestraße nach Pertisau überführt. Hier wurde das Schiff zusammengebaut und lief am 6. Juni 1959 vom Stapel.
1967
Die elektrische Slipanlage und die Querstapel wurden gebaut, dadurch können die Schiffe trocken aufgelegt werden, was ihre Lebensdauer wesentlich erhöht und die Wartung vereinfacht. Kapitän Heinrich Klingler jun. trat in den Ruhestand und übergab die Betriebsleitung an seinen jüngeren Bruder Kapitän August Klingler.
1969
In der Schweiz wurde das schnelle Aufsichtsboot Apollo angeschafft.
1971
1975
Kapitän August Klingler trat in den Ruhestend.
Damit endet die Ära Klingler nach 83 Jahren. Zum Betriebsleiter wurde Erich Baumann bestellt.
1987
Die Achenseeschiffahrt feierte ihr 100jähriges Bestehen.
1988
Kapitän Albert Bichler wurde neuer Betriebsleiter der Achenseeschiffahrt.
1995 - MS Tirol
Die betagte MS Stadt Innsbruck erlebte ihre letzte Saison auf dem Achensee. Ein neues 600 Personen fassendes Schiff wurde von der ÖSWAG - Österreichsche Schiffswerften AG 1994 in Linz gebaut und 1995 in Pertisau endmontiert und in Betrieb genommen. Das dieselbetriebene 2-Schrauben-Schiff verfügt über 2 Decks, ist barrierefrei ausgelegt und ermöglicht nun die Entwicklung des Unternehmens im Veranstaltungsbereich. Nun gibt es erstmals auch Bordgastronomie, ein Bistro Stella Maris, zur Erinnerung an das erste dieselmotorbetriebene Schiff Österreichs.
1997
Die Achenseeschiffahrt bietet für die Gäste erstmals Abendrundfahrten mit Musik an. Seitdem finden von Juni bis Oktober diese Rundfahrten immer freitags statt und bieten zusammen mit der Achenseer Sommernacht* ein stimmungsvolles Angebot.
*Die Achenseer Sommernacht bietet ein 4-gängiges Menü in einem Hotel in Pertisau
mit anschließender Abendrundfahrt.
1998 - Innschiffahrt Kufstein TIROL - BAYERN
Ausgehend von der Tradition des Inns als Wasserweg und in Anbetracht der
touristischen Entwicklung des Naherholungsgebietes entlang des Flusses zwischen den Kraftwerken Langkampfen und Ebbs-Oberaudorf und dem Wegfall der Grenzkontrollen, wurde die Innschiffahrt Kufstein als Teilbetrieb der Achenseeschiffahrt GmbH gegründet.Erstes Schiff war das Motorboot Tirol, das eigens vom Achensee nach Kufstein transportiert wurde und bis zur Indienststellung des in Bau befindlichen neuen Schiffes den Schifffahrtsbetrieb aufnahm.
2000 - Motorschiff St. Nikolaus
Das Motorschiff St. Nikolaus wurde 1999/2000 von der Bodan Werft in Kressbronn am Bodensee gebaut. Das Schiff verfügte über zwei hydraulisch angetriebene Schrauben (Schottelantrieb) und war wie auch die Anlegestellen barrierefrei gebaut. Das Motorschiff St.Nikolaus verfügte über Bordgastronomie. Mit einer Länge von 30 und einer Breite von 6,3 Metern bot das Schiff Platz für 116 Personen und wurde nach den speziellen erfordernissen der Flussstrecke (unterschiedliche Fliessgeschwindigkeiten, Brückendurchfahrten) konstruiert.
Mit der Inbetriebnahme des neugebauten Motorschiffes St. Nikolaus im Jahr 2000, begann die grenzüberschreitende Innschiffahrt Kufstein, zwischen Tirol und Bayern. Damit knüpfte die moderne Innschiffahrt an eine lange Tradition der Flussschifffahrt auf dem Inn an.Schwierige betriebliche Rahmenbedingungen, wie die immer wieder auftretenden Hochwässer führten jedoch zu durchschnittlich 21 Ausfallstagen, das waren 15 % der saisonalen Betriebstage. Diese ungenügende Zuverlässigkeit gestaltete auch eine Kooperation mit Reiseveranstaltern, Busunternehmen und Gruppenreisenden sehr schwierig.
All dies führte seit 2003 zu stark rückläufigen Fahrgastzahlen.
2011 - Die letzte Fahrt der St. Nikolaus
Die Innschifffahrt bei Kufstein wird eingestellt.
Dabei waren die Erwartungen 1998 hoch, als die Innschifffahrt in Kufstein mit dem Motorboot Tirol startete, die Bootsfahrten sollten sowohl von den Gästen als auch von den Einheimischen als Attraktion angenommen werden.
Es gab normale Kursfahrten und ein breites Angebot von Sonder- und Eventfahrten – leider hatten die vielen Bemühungen um eine attraktive Innschifffahrt letztlich keinen Erfolg.
2007 - 120 Jahre
MS Stadt Innsbruck
Um der ständig wachsenden Nachfrage bei der Schiffsvermietung und den Sonderfahrten nachzukommen, und gleichzeitig den Linienbetrieb aufrecht erhalten zu können, wurde ein neues Schiff bei der ÖSWAG in Linz in Auftrag gegeben. Das 470 Personen fassende Schiff ist nach den modernsten Richtlinien konstruiert und verfügt über 3 Decks, Bordküche, barrierefreie Anlagen und ein besonders strömungsgünstiges Unterwasserschiff zur Vermeidung großer Wellenbildung.
Das in Teilen angelieferte und in Pertisau fertiggestellte Schiff wurde am Achenseehof von der Innsbrucker Bürgermeisterin Hilde Zach feierlich auf den Namen MS Stadt Innsbruck getauft.
Quellen: Helmut Pemsel: Die Schiffahrt auf dem Achensee, Mistelbach,
Arbeitsgemeinschaft für Österreichische Marinegeschichte;
Achenseeschiffahrt-GesmbH
- Kapitänin des Jahres - Freundlichste Mannschaft - Innovationspreis
































